 |
Für das Studium: "Blue Ocean Strategy" ("Der Blaue Ozean als Strategie") von W. Chan Kim und Renée Mauborgne
Die strategische Unternehmensführung ist stark geprägt von ihren militärischen Wurzeln. Es geht um strategische Positionen, Manöver, Verdrängungs- und Vergeltungsmaßnahmen. Auch das zugrundeliegende Wettbewerbsdenken basiert auf Kriegslogik: Gegner kämpfen um ein begrenztes Terrain, und man muss den Feind schlagen, um erfolgreich zu sein. Kim und Mauborgne (zwei renommierte Managementforscher an der französischen Business School INSEAD, Fontainebleau) stellen in ihrem HBR-Artikel (gefolgt von einem Buch, das zum Bestseller wurde) die Allgemeingültigkeit dieser konventionellen strategischen Logik in Frage. Nach dem Motto "Warum sich mit den Konkurrenten herumärgern, wenn es auch anders geht" fordern sie Manager dazu auf, innovativ zu denken und sich nicht nur auf bestehende Märkte zu konzentrieren. Für diese verwenden sie das Bild der "roten Ozeane", die vom Blut der sich bekämpfenden Rivalen gefärbt sind. Stattdessen empfehlen sie, "blaue Ozeane" zu erschaffen, die noch nicht besetzt und umkämpft sind. Dass sich dies lohnt, zeigen sie in einer Studie mit 108 Unternehmen: Nur 14% aller Produkteinführungen waren echte Innovationen, die neue Märkte erzeugten. Diese sorgten aber für 38% des zusätzlichen Umsatzes und steuerten erstaunliche 61% zur Gewinnsteigerung bei.
Kim und Mauborgne liefern interessante Ansätze, wie Manager auf systematische Weise "blaue Ozeane" kreieren können. Anhand vieler Beispiele (u.a. Ford Model T, Chrysler Minivan, Apple PC, Cirque du Soleil, Southwest Airlines) beschreiben sie ihr Konzept. Diese widerlegen Porters "Stuck-in-the-middle-These": Die Unternehmen senkten ihre Kosten, indem sie dem ruinösen Wettbewerb auswichen, und differenzierten sich gleichzeitig durch das Anbieten neuen Kundennutzens.
Fazit: Ein anregendes Buch, das auf einem einfachen, aber überzeugenden Gedanken beruht. Und obwohl nicht alles wirklich so neu und revolutionär ist, wie es die Autoren darstellen, bereichern die "blauen Ozeane" in jedem Fall das eigene strategische Denken.
Kim, W. Chan/Mauborgne, Renée: Blue Ocean Strategy, in: Harvard Business Review, Vol. 82, October 2004, S. 71-79. (verfügbar in der UB)
|